{"id":9,"date":"2017-02-12T10:57:26","date_gmt":"2017-02-12T09:57:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.twofamilyarchives.com\/?page_id=9"},"modified":"2017-02-27T10:45:34","modified_gmt":"2017-02-27T09:45:34","slug":"objects-of-memory","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/de\/objects-of-memory\/","title":{"rendered":"Objekte der Erinnerung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Objects-of-memory-gr.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-21\" src=\"http:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Objects-of-memory-gr-300x234.jpg\" width=\"450\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Objects-of-memory-gr-300x234.jpg 300w, https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Objects-of-memory-gr-768x600.jpg 768w, https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Objects-of-memory-gr-1024x799.jpg 1024w, https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Objects-of-memory-gr-448x350.jpg 448w, https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Objects-of-memory-gr-150x117.jpg 150w, https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Objects-of-memory-gr-356x278.jpg 356w, https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Objects-of-memory-gr.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a>von <a href=\"https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/about-us\/the-artists\/\">Shimon Lev<\/a>: Seit Anfang der 1990er Jahre arbeite ich an einem Projekt, da\u00df sich mit dem Erinnern und dem Werdegang meiner Familie auseinandersetzt.<\/p>\n<p>Das \u201cFamilien Fototagebuch\u201d besteht bereits aus hunderten Fotografien, die unterschiedlichste Aspekte der Familie abbilden. W\u00e4hrend der Jahre sind Fragen nach der Kontinuit\u00e4t j\u00fcdischer Kultur, dem Umgang mit dem Holocaust sowie den Br\u00fcchen und dem Elend nach diesem aufgetaucht.<\/p>\n<p>Mein Vater, ein namhafter Physiker Wilhelm (Ze\u2019ev) L\u00f6w \u2013 ist 1922 in Wien geboren. Nach dem ersten Weltkrieg waren seine Gro\u00dfeltern aus Polen eingewandert und ihre Gr\u00e4ber befinden sich am Wiener Zentralfriedhof (4.Tor). Mein Vater wuchs in Wien bei seinen Eltern Nachum und Erna gemeinsam mit seiner Schwester Liane auf, welche 1927 zur Welt gekommen war. 1934 verlie\u00df die Familie Wien und zog erstaunlicher- und letztendlich tragischerweise nach Berlin. Der Grund f\u00fcr den Umzug war ein wirtschaftlicher: man musste sich um ein Haus im Besitz der Familie k\u00fcmmern. R\u00fcckblickend betrachtet lief diese Entscheidung Allem entgegen, was zum damaligen Zeitpunkt geboten gewesen w\u00e4re und endete folglich auch in einer Katastrophe. Die Familie lebte in Berlin, in der Thomasiusstra\u00dfe 11 und Willi und Liane gingen in die Adass Jisroel Schule. Im J\u00e4nner 1939 wurde der 16 j\u00e4hrige Willi von den Eltern per Kindertransport nach England geschickt, um sein Leben zu retten. Als deutscher Staatsb\u00fcrger wurde er zu Beginn des zweiten Weltkrieges nach Kanada in ein Internierungslager gebracht. Er korrespondierte mit seiner Familie in Berlin, aber er hat sie nie wieder gesehen. Der Briefverkehr unterlag in den folgenden Jahren einer immer strenger werdenden Zensur und ab Anfang 1942 konnte die Familie einander nur mehr formalisierte Briefe \u00fcber das rote Kreuz schreiben. Diese waren auf 25 Worte begrenzt. Der letzte solche Brief aus Berlin war Ende April 1943 aufgegeben worden.<\/p>\n<p>Willis Schwester Liane, der meine Tochter Tamar unglaublich \u00e4hnlich sieht, war ebenfalls zu Verwandten nach Belgien geschickt worden, um sie zu retten. Als die Deutschen jedoch \u00fcber Belgien nach Frankreich einfielen, flohen die Verwandten mit Liane in den noch freien Teil Frankreichs, wo sie f\u00fcr sich Visa in die Vereinigten Staaten bekommen konnten. Liane jedoch musste mit den Zug zu ihren Eltern nach Berlin zur\u00fcck geschickt werden. Am 17. Mai 1943 wurden Erna, Nachum und die 14 j\u00e4hrige Liane aus ihrer Wohnung geworfen. Sie wurden in die Synagoge in der Lewetzowstra\u00dfe getrieben, von wo sie zum Bahnhof Putlitzstrasse marschieren mussten. Sie wurden mit dem 38. Transport \u201cOst\u201d nach Ausschwitz deportiert, wo man sie ermordet hat.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren habe ich in Wien, Berlin, der Ukraine und in Israel an einem Projekt mit dem Titel \u201cObjekte des Erinnerns\u201d gearbeitet, welche als Teil meines \u201cFamilien Fototagebuches\u201d zu verstehen sind. Ich habe den Wurzeln und den Erinnerungen der Familie meines Vaters nachgesp\u00fchrt, verschiedene Orte aufgesucht und an diesen fotografiert. Die in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten stellen nicht den Versuch dar, mit dem Holocaust in seiner unbegreiflichen Gesamtheit umzugehen. Vielmehr geht es darum die unheimliche Kompliziertheit der \u201ckleinen\u201d und privaten Vergangenheit in den Blick zu bekommen. Dies vor dem Hintergrund einer Kindheit und eines Lebens im heutigen Israel. In den Arbeiten verhandle ich Fragen der pers\u00f6nlichen und der nationalen Geschichten in Vergangenheit und Gegenwart, der M\u00f6glichkeit eines Dialoges mit Deutschen und \u00d6sterreichern, sowie Fragen der Archive und der Methoden, wie Geschichte integriert oder ausgeklammert, gemacht, dargestellt und an eine Gesellschaft weitergegeben wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Shimon Lev: Seit Anfang der 1990er Jahre arbeite ich an einem Projekt, da\u00df sich mit dem Erinnern und dem Werdegang meiner Familie auseinandersetzt. Das \u201cFamilien Fototagebuch\u201d besteht bereits aus hunderten Fotografien, die unterschiedlichste Aspekte der Familie abbilden. W\u00e4hrend der Jahre sind Fragen nach der Kontinuit\u00e4t j\u00fcdischer Kultur, dem Umgang mit dem Holocaust sowie den Br\u00fcchen und dem Elend nach diesem aufgetaucht. Mein Vater, ein namhafter Physiker Wilhelm (Ze\u2019ev) L\u00f6w \u2013 ist 1922 in Wien geboren. 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